Arbeiten mit Stechbeiteln
Arten von Stechbeiteln und Lage der Schneide
Holzarbeiten in der Heimwerkstatt lassen sich ohne Stechbeitel nicht vollständig ausführen. Verbindungen mit Schlitz und Zapfen, das Einsetzen eines Schlosses und das Anbringen von Türbändern sind ohne Stechbeitel nicht möglich.
Für gewöhnliche Arbeiten werden etwa drei bis vier verschiedene Stechbeitel benötigt. Stechbeitel mit komplizierteren Profilen, etwa schräge oder halbmondförmige, werden von Bildhauern und Tischlern zur Herstellung von Stilmöbeln verwendet.
Die Schneide des Stechbeitels besteht aus Stahl, während der Griff und der Schlägel, mit dem darauf geschlagen wird, aus Holz gefertigt sind. Der wichtigste Teil ist die Schneide, die gewöhnlich einen Winkel von 25° hat (Abbildung 1, Teil 1).
Die am häufigsten verwendeten Stechbeitel sind:
- ein flacher Stechbeitel mit rechteckigem Querschnitt;
- ein flacher Stechbeitel mit abgeschrägten Kanten;
- ein hohler Tischlerbeitel;
- ein langer Lochbeitel.
Der Griff muss oben mit einem Metallring versehen sein, der den leicht verjüngten oberen Teil umfasst, damit der Griff durch die Schläge des Holzschlägels nicht aufspaltet.
Die Schneide des Stechbeitels ist gerade; nur beim hohlen Beitel ist sie gewölbt. Sie soll in der Schnittebene gehalten werden. Die abgeschrägte Seite des Stechbeitels muss zu dem Teil des Holzes zeigen, der herausgeschnitten und entfernt wird (Abbildung 1, Teile 2–5).

Abbildung 1 — Lage der Schneide und Arbeitsfolge mit dem Stechbeitel.
Herstellen von Öffnungen und Pflege der Stechbeitel
Bei der Arbeit ist auf den Faserverlauf zu achten, weil das Holz bei einem stärkeren Schlag entlang der Fasern reißen kann (Abbildung 1, Teile 6 und 7).
Soll mit dem Stechbeitel eine Vertiefung für einen Zapfen hergestellt werden, wird zuerst der Teil quer zum Faserverlauf und erst danach der Teil parallel zu den Fasern geschnitten (Abbildung 1, Teile 2, 2/a, 3 und 3/a). Das Material muss zuvor auf eine feste Unterlage gelegt werden, um Schwingungen zu vermeiden, und so nah wie möglich an der Schnittstelle eingespannt werden, selbst wenn es während der Arbeit versetzt werden muss. Den Stechbeitel fest am Griff halten, die Finger darum legen und nicht am Metallteil greifen.
Mit einem langen, schmalen Stechbeitel lassen sich tiefere, viereckige Zapfenlöcher herstellen. Soll der Zapfen durch das Material hindurchgehen, ist es besser, die Öffnung abwechselnd von beiden Seiten auszustemmen. Dadurch ist die Schnitttiefe auf jeder Seite geringer.
Ein halbrunder Stechbeitel dient zum Herstellen runder Öffnungen und zum Entfernen scharfer Holzkanten.
Das der Schneide gegenüberliegende Ende ist spitz und vierkantig und dient zum Einsetzen in den Griff. Stechbeitel brechen am häufigsten am verjüngten Teil unterhalb des Griffs. Bricht der Stechbeitel dort, ist er nicht mehr verwendbar. Ein beschädigter Griff lässt sich leicht ersetzen. Ist die Schneide beschädigt, kann sie durch Schleifen wieder geschärft werden.
Zum Anbringen des Griffs wird das spitze Ende des Stechbeitels zunächst hineingedrückt. Danach hält man ihn am Griff in der Luft und schlägt mehrmals kräftig mit dem Hammer auf das gewölbte Ende des Griffs.
Bohren
Werkzeuge und Vorbereitung zum Bohren
Bohren will gelernt sein. Scheinbar ist es die einfachste Arbeit bei der Holzbearbeitung, praktisch gilt das jedoch nur mit dem passenden Werkzeug. Das wichtigste Werkzeug für Löcher für Schrauben und Nägel ist der Nagelbohrer. Für größere Öffnungen wird außerdem eine Bohrmaschine benötigt, weil die Arbeit mit größeren Nagelbohrern oder Schlangenbohrern etwas Übung verlangt (Abbildung 2).

Abbildung 2 — Handbohrmaschine und Arten von Holzbohrern.
Da eine kleine Werkstatt nicht jedes Werkzeug aufnehmen kann, ist eine Handbohrmaschine sinnvoll, die als „Amerikaner“ bekannt ist. Sie arbeitet sowohl mit Spiralbohrern als auch mit kleineren Schlangenbohrern. Durch das Zahnradgetriebe ist zum Drehen der Kurbel wenig Kraft erforderlich, sodass auch Unerfahrene damit umgehen können. Unter das zu bohrende Material wird unabhängig von der Art der Bohrmaschine eine Unterlage gelegt, da der Bohrer schließlich durch das Material treten kann. Alles wird fest eingespannt, damit der Bohrer das Material nicht erfasst und in Drehung versetzt.
Beim Bohren von Holz ist stets eine niedrigere Drehzahl zu wählen. Auch bei einer elektrischen Bohrmaschine mit niedrigster Drehzahl soll das Bohren alle 15–20 Sekunden unterbrochen werden. Beim schnellen Bohren kann sich das Holz so stark erhitzen, dass es seine Farbe ändert oder sich sogar entzündet. Ein scharfer Ton, feiner streifenförmiger Rauch oder der Geruch nach verbranntem Holz sind Warnzeichen. Das gelegentliche Herausziehen des Bohrers kühlt ihn und hilft, die Späne aus der Öffnung zu entfernen. Festgesetzte Späne verringern die Bohrleistung erheblich.
Vor dem Bohren wird die Stelle mit einem Nagel oder Körner leicht vertieft. Das ist besonders für Anfänger wichtig. Diese Anfangsvertiefung, fachlich Körnung genannt, führt den Bohrer bei seinen ersten Umdrehungen. Die Spitze des Bohrers darf nicht einseitig abgeschrägt sein, weil die Öffnung sonst größer als erwartet wird.
Auch das Ausschneiden einer größeren runden Scheibe aus dünnerem Material wird als Bohren bezeichnet, obwohl es sich um eine völlig andere Arbeit handelt. Als Werkzeug dient ein verstellbarer Kreisschneider. Zunächst wird in der Mitte des Ausschnitts ein kleines Loch gebohrt und dort die Spitze des Werkzeugs eingesetzt. Das Messer wird entsprechend dem gewünschten Durchmesser auf den erforderlichen Abstand eingestellt. Nach einigen Drehungen bewegt sich die Schneide wie eine Nadel auf einer Schallplatte stets im gleichen Abstand um die Mitte und schneidet dabei die Platte (Abbildung 3).
Bohren größerer Öffnungen und Sacklöcher

Abbildung 3 — Ausschneiden einer runden Scheibe mit einem verstellbaren Kreisschneider.
Muss das Holz durchbohrt werden, beginnt man auf der Sichtseite. Dort bleibt die Öffnung sauber, gleichmäßig und scharfkantig, während der Bohrer das Material beim Austritt auf der anderen Seite ausreißt. Bei einer Schraube mit Senk- oder Linsenkopf muss der obere Teil der Öffnung mit einem Senkbohrer für den Schraubenkopf vertieft werden. Ist kein besonderer Bohrer vorhanden, eignet sich auch ein dickerer Bohrer, dessen Spitze zuvor in einem größeren Winkel angeschliffen wurde. Das Senken ist vorsichtig auszuführen, damit es nicht zu tief in das Material reicht.
Geht das Loch nicht durch das Material, wird der Bohrer vorher an der gewünschten Tiefe markiert, etwa mit einem Farbstift oder Nagellack. So muss der Bohrer nicht ständig herausgezogen werden, um die Tiefe zu messen (Abbildung 4).

Abbildung 4 — Markieren des Bohrers zur Kontrolle der Bohrtiefe.
Hobeln
Auswahl und Schärfen der Hobel
Hobeln lässt sich nur vermeiden, wenn bereits gehobeltes Material gekauft wird. Da solches Material nicht immer erhältlich ist und häufig auch Kanten bearbeitet werden müssen, sollte die Heimwerkstatt einen Hobel besitzen. Benötigt werden drei Hobel: einer für die Grobbearbeitung, also ein großer Hobel, einer für die Feinbearbeitung und einer für Nuten. Auf den großen Hobel kann verzichtet werden, weil große raue Flächen selten bearbeitet werden. Falls es doch nötig ist, lässt sich der Feinhobel verwenden; die Arbeit dauert dann allerdings länger.
Das Herz des Hobels ist ein gut geschärftes Messer (Abbildung 5) mit gerader Schneide. Der Schneidenwinkel beträgt 25°. Das Messer muss bei der Arbeit vor Metallgegenständen geschützt werden. Ein vergessener Nagel oder dessen Schaft kann die Schneide beschädigen und unbrauchbar machen. Wird das Hobeln einem Handwerker überlassen und befindet sich durch unsere Unachtsamkeit ein verborgener Nagel oder Beschlagteil im Material, muss für jedes solche Stück der Preis der Säge oder des Hobelmessers ersetzt werden.

Abbildung 5 — Aussehen des Hobels und Lage seiner Teile.
Das Hobelmesser soll auf einem möglichst großen Schleifstein geschärft werden, damit die Schneide nicht hohl wird und sichtbar die Rundung des Schleifsteins annimmt. Zum Schärfen kann eine Hilfsvorrichtung aus einem Brettchen mit 25° Winkel dienen, auf dem das Hobelmesser gehalten wird, denn selbst für einen erfahrenen Handwerker ist ein Winkel von 25° mit bloßem Auge schwer zu bestimmen.
Nach dem Schärfen auf einem runden Schleifstein müssen die Kanten auf einem flachen Abziehstein begradigt werden. Der Hobel soll die Brettoberfläche so sauber wie möglich ebnen, was nur mit vollkommen gerader Schneide gelingt. Einen flachen Abziehstein erhält man im Eisenwarenhandel. Auf dem angefeuchteten flachen Stein wird das Messer wie ein gewöhnliches Messer in kreisenden Bewegungen geführt. Die scharfen Ecken der Schneide werden anschließend abgeschliffen, damit sie beim Hobeln keine scharfen Spuren im Material hinterlassen. Ein Anfänger sollte sich nicht scheuen, dieses Wissen von einem Handwerker zu übernehmen.
Einstellen des Hobelmessers
Das Hobelmesser ist mit einem Holzkeil in der Öffnung des Hobels befestigt. Beim Einstellen werden Messer und Keil mit dem linken Daumen gehalten. Mit kleinen Schlägen eines Hammers in der rechten Hand wird das Messer eingestellt. Dies ist geschickt auszuführen, während der Hobel mit der Handfläche und den übrigen Fingern der linken Hand in der Luft gehalten wird.
Das Messer soll nur wenig aus der Hobelsohle herausragen, und die Schneide muss parallel zu ihr liegen. Beim Einsetzen sollte das Messer am besten zunächst gar nicht herausragen; erst nach dem Einsetzen des Holzkeils wird es mit kleinen Hammerschlägen eingestellt. Ein stark herausragendes Messer beschleunigt die Arbeit nicht, weil es leicht zu tief in das Material greift. Es ist leichter, das Messer für einen stärkeren Abtrag vorzuschieben, als es zurückzunehmen. Durch seitliches Klopfen muss die Schneide ihre richtige Lage erhalten. Auch dieser Vorgang erfolgt „in der Luft“, während der Hobel in der linken Hand gehalten wird (Abbildung 6).

Abbildung 6 — Einstellen der Lage des Hobelmessers.
Zum Herausnehmen des Messers wird mehrmals mit dem Hammer auf den hinteren Teil des angehobenen Hobelkörpers geschlagen.
Ein wichtiger Teil des Hobels ist der Spanbrecher, der mit einer Schraube am Messer befestigt ist. Er bricht die vor dem Messer angesammelten Späne; andernfalls würde sich die Spanöffnung schnell verstopfen.
Richtung und Ablauf des Hobelns
Das Hobeln erfolgt so: Die rechte Hand umfasst das hintere Ende des Hobels, der Daumen liegt links und die übrigen Finger gemeinsam rechts neben dem Keil. Die linke Hand hält den Hobel am vorderen Ende des Griffs und führt ihn. Die rechte Hand übt den erforderlichen Druck aus. Der Hobel wird gleichmäßig in langen Zügen vor und zurück bewegt, ohne ihn übermäßig anzudrücken. Beim Zurückziehen wird er leicht auf die Kante gekippt, um das Messer zu schonen.
Es ist stets in Faserrichtung zu hobeln, denn auch der beste Spanbrecher kann Brett oder Latte nicht vor Ausrissen schützen, wenn gegen die Faser gehobelt wird. Das Brett soll sorgfältig ausgerichtet werden. Ändert sich der Faserverlauf, wird der Hobel jeweils in Faserrichtung angesetzt; man arbeitet also abwechselnd in die eine und die andere Richtung, aber stets mit der Faser (Abbildung 7).
Am schwierigsten ist das Hobeln einer Hirnholzfläche, weil das Messer die Fasern quer schneiden muss und sie dadurch bricht und spaltet. Das ist an Brettenden der Fall. Hier wird von den Außenkanten zur Mitte gehobelt. Diese Arbeit ist nicht besonders leicht, weil der Hobel an den Händen ruckt (Mitte von Abbildung 7).

Abbildung 7 — Hobelrichtung und Abstützung des Werkstücks.
Zum Glätten gehobelter Flächen dient die Ziehklinge. Sie ist eine rechteckige Stahlplatte mit scharfer Kante, die mit beiden Händen über die gehobelte Fläche gezogen wird und verbleibende Unebenheiten entfernt.
Beim Hobeln muss das Werkstück fest eingespannt und in Hobelrichtung sicher abgestützt sein, weil starke Stöße auftreten. Das Werkstück wird auf eine Werkbank oder, falls keine Hobelbank vorhanden ist, auf einen stabilen Arbeitstisch gelegt und mit einer Schraubzwinge befestigt. Ein polierter Tisch mit dünnen Beinen darf nicht verwendet werden; besser ist ein schwerer, abgedeckter Küchentisch. Der Tisch wird an einer Wand abgestützt oder, noch besser, das Ende des zu bearbeitenden Bretts. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass der linke Daumen durch die Bewegung zwischen Wand und Hobelspitze gerät.
Eine praktische Lösung besteht darin, zwischen Arbeitstisch und Wand einen mit einem dickeren Tuch bedeckten Hocker zu stellen. So schlagen die Kanten von Tisch und Hocker nicht gegeneinander und die Stöße gegen die Wand werden gedämpft. Das Werkstück wird mit Zwingen an dem mit einer Decke bedeckten Tisch befestigt. Zwischen Hockerkante und Wand kann zusätzlich ein dünneres Brettstück eingesetzt werden (unterer Teil von Abbildung 7).
Beim Hobeln quer zur Faser wird das Werkstück so in einen Schraubstock gespannt, dass die Fasern senkrecht verlaufen. In der Nähe der Hand darf sich kein Gegenstand befinden, an dem sie verletzt werden könnte.
Raspeln und Feilen für die Holzbearbeitung
Mit Raspeln und Holzfeilen lassen sich Holzoberflächen ohne besondere Vorkenntnisse bearbeiten. Das Werkstück wird auf Ellbogenhöhe befestigt (Abbildung 8). Die linke Hand hält die Feile an der Spitze, die rechte am Griff. Unter Druck wird sie vor und zurück geführt, sodass ihre gesamte Länge über die Oberfläche läuft. Beim Einebnen einzelner Stellen führen auch kurze Feilenstriche zum Ziel. Mit der Feile werden meist Kanten und gebohrte Öffnungen nachbearbeitet sowie Rundungen, Anpassungen und Hirnholzflächen ausgeführt. Auch dabei kann ein kleineres oder größeres Stück Holz abbrechen. Wird das Werkstück zwischen zwei ähnlichen Holzstücken eingespannt, verringert sich die Gefahr ausbrechender Kanten.

Abbildung 8 — Lage des Werkstücks beim Hobeln und Feilen.
Harz und feine Späne setzen die Zähne der Feile schnell zu und lassen sich schwer entfernen. Eine Reinigungsmöglichkeit ist eine Drahtbürste. Sie beschädigt jedoch die Feilenzähne und reinigt sie trotzdem nicht vollständig. Besser ist es, die Feile in heißes Wasser zu tauchen und anschließend mit einer gewöhnlichen Bürste zu säubern. So werden auch Harz und Späne von Kunststoffen entfernt. Nach dieser Reinigung muss die Feile abgewischt und getrocknet werden, sonst rostet sie. Wird sie längere Zeit nicht benutzt, kann sie mit einer dünnen Ölschicht versehen werden, die vor dem nächsten Gebrauch durch das Feilen eines Abfallstücks entfernt wird.