Biegen von Stäben und Rohren
Biegen von Flachmaterial
Flachmaterialien bis zu einer Dicke von 5 mm lassen sich im kalten Zustand gut biegen, wenn sie zuvor in einen Schraubstock eingespannt werden. Das Biegen kann unter einem kleinen, praktisch scharfen Winkel erfolgen. Beim Biegen dickerer Materialien kommt es an der Biegestelle zu Rissen oder Quetschungen.
Die Biegsamkeit hängt vom Material selbst ab. Stahl lässt sich schwerer biegen, während weiches Aluminium sogar von Hand gebogen werden kann. Um Brüche beim Biegen oder Richten zu vermeiden, muss das Material zuvor weich gemacht werden. Bei der Herstellung eines Drahtzauns wird beispielsweise weicher Draht verwendet. Im Handel erhält man halbharten Draht, der vor der Verwendung weich gemacht werden sollte. Zunächst werden die Drahtrollen auf eine Schicht Holzkohle gelegt und von oben wieder mit Holzkohle bedeckt; danach wird die Kohle angezündet. Nach dem Verbrennen und Abkühlen der Holzkohle wird die Drahtrolle biegsam und zum Flechten geeignet.
Soll ein Material rechtwinklig gebogen werden, muss es zwischen einem Winkelstahleinsatz fest in den Schraubstock eingespannt und anschließend mit einem Schlosserhammer gebogen werden. Das Biegen kann auch mithilfe eines Gegenstands erfolgen, der nicht dafür vorgesehen ist. In diesem Fall schlagen wir mit dem Hammer nicht auf das zu biegende Material, sondern auf diesen Hilfsgegenstand. Zunächst wird einige Male oberhalb der Biegelinie geschlagen, damit sich das Werkstück in die gewünschte Richtung und Rundung „in Bewegung setzt“. Danach wird auch auf das von der Biegelinie entfernte Ende des Werkstücks geschlagen, sodass sich die Biegung mit geringerer Kraft ausführen lässt. Der Winkelstahleinsatz unterstützt das Biegen und schützt zugleich den Schraubstock.
Bevor ein Material in eine L-, U- oder Z-Form gebogen wird, muss die Reihenfolge der Biegungen sorgfältig bedacht werden. Auch Werkstücke, die unbiegsam erscheinen, können im Schraubstock gebogen werden, wenn man den Grundsatz beachtet: „Mehr nachdenken, um sich weniger zu ärgern.“
Es ist sinnvoll, die Biegelinie vor dem Biegen durch Anreißen zu kennzeichnen, insbesondere auf Blechen. So lässt sich mit den Augen verfolgen, ob an der gewünschten Stelle gebogen wird; zugleich erleichtert die Anrisslinie selbst das Biegen.
Biegen von Rohren
Ein besonderer Fall ist das Biegen eines Rohres zu einem Bogen. Beim Biegen dünnwandiger Rohre werden die Wände auf der Innenseite der Biegung gequetscht, während sie auf der Außenseite reißen oder das Rohr abgeflacht wird.
Füllen eines Rohres mit Sand
Wenn der Außendurchmesser der Rohrwand kleiner als das Doppelte des Innendurchmessers des Rohres ist, kann das Biegen durch „Füllen“ des Rohres erfolgen. Als Füllmaterial dient feiner, sauberer Sand. Ein Rohrende wird gut verschlossen, durch das andere Ende wird das Rohr mit Sand gefüllt, und anschließend wird auch dieses Ende mit einem langen Holzstopfen verschlossen. Der Sand verhindert, dass das Rohr an der Biegestelle eingedrückt wird. Beim Abflachen bleibt der Umfang des Rohrquerschnitts gleich, seine Fläche wird jedoch kleiner. Ist das Rohr mit Sand gefüllt, lässt dieser die Verengung nicht zu, weil das Rohr keine Möglichkeit hat, in eine andere Richtung „auszuweichen“.
Stahlspirale
Ein weiteres Füllmaterial für Rohre ist eine Stahlspirale, dargestellt in Abbildung 1. Darunter versteht man lediglich eine lange Spiralfeder, die in das Rohr passt. Die Verwendung einer Spirale ist nur dann gerechtfertigt, wenn eine größere Zahl von Rohren gleichen Durchmessers gebogen wird. Vor der Verwendung sollte die Feder mit Öl bestrichen werden, da sie sich sonst nur schwer aus dem gebogenen Rohr herausziehen lässt. Die Feder wird nicht einfach gezogen, sondern durch Drehen entgegen ihrer Windungsrichtung herausgenommen. Das Biegen kann auch dadurch erleichtert werden, dass die Biegestelle des Rohres bis zur Rotglut erhitzt und das Rohr in diesem Zustand mit Hebeln an seinen Enden gebogen wird.

Biegen eines Rohres mit einer Stahlspirale und Positionieren eines Werkstücks zum Trennen.
Zum Schluss ein Rat: Beim Biegen von Rohren mit einem Außendurchmesser von mehr als 15 mm sollte die Hilfe einer qualifizierten Person in Anspruch genommen werden.
Trennen mit dem Meißel
Trennen von Blech und Stäben
Als Schneidwerkzeuge dienen Flachmeißel und Hammer. Es ist sehr wichtig, das zum Trennen vorbereitete Metallstück an der Trennstelle abzustützen, damit es sich während der Arbeit nicht bewegt oder durchbiegt. Die Trennstelle muss tief angerissen werden; anschließend wird der Meißel senkrecht zur Blechoberfläche gehalten. Zunächst werden schwächere Schläge auf den Meißel ausgeführt, danach stärkere, die das Metall durchtrennen. Ist das Material breiter als der Meißel, beginnt man abwechselnd an beiden Enden und arbeitet zur Mitte hin. Beim Trennen von Metallstäben wird zuerst die Trennstelle markiert, indem der Stab beim Drehen eingekerbt und anschließend durchtrennt wird.
Im Schraubstock eingespanntes Blech wird so getrennt, dass die Trennlinie 1–2 mm oberhalb der Schraubstockbacken und parallel zu ihnen liegt. Das Trennen beginnt an einem Ende, wobei die Meißelschneide waagerecht entlang der Trennlinie geführt wird. Während der Arbeit ist der Meißel in einem spitzen Winkel zum Blech zu halten, wie in Abbildung 2 dargestellt.

Position des Meißels beim Trennen von Blech auf einer Unterlage und im Schraubstock.
Ausschneiden einer runden Platte
Soll aus Blech eine größere runde Platte ausgeschnitten werden, wird das Blech zunächst auf eine ebene Fläche gelegt und entlang der Trennlinie mit dem Meißel kreisförmig und unterbrochen eingeschnitten. Danach wird das Blech so auf eine Unterlage gelegt, dass die Trennlinie ein bis zwei Zentimeter über dem Tisch und neben der Unterlage liegt, keinesfalls direkt darauf. Nun kann die runde Platte mit Schlägen des zugespitzten Hammerteils abgetrennt werden. Dabei wird das Blech gelegentlich gedreht und stets neben der Unterlage geschlagen, wie in Abbildung 3 gezeigt.

Unterbrochenes Einschneiden und Abtrennen einer runden Platte aus Blech.
Verwandte Themen: Sägen, Feilen und Bohren, Blechbearbeitung und Biegen, Grundwerkzeuge und Bearbeitungsleistungen.