Glaserarbeiten
Kenntnisse über Glaserarbeiten sind besonders nützlich, wenn Kinder zur Familie gehören. Ist die Wohnung versichert, werden Schäden durch Glasbruch anerkannt; dennoch ist es insbesondere bei Kälte schwer, auf die Formalitäten und die Reparatur zu warten. Glas muss wahrscheinlich kaum beschrieben werden, denn fast jeder hatte schon einmal das „Glück“, ein Fenster zu zerbrechen. Fensterglas wird als Flachglas bezeichnet und in Dicken von 1,3, 1,5, 2, 3, 4, 5 und 7 mm hergestellt. Dunkles, undurchsichtiges und gemustertes Glas entsteht aus Flachglas durch Sandstrahlen oder Ätzen und hat ähnliche Abmessungen.
Gussglas ist dicker: 5, 6, 7 und 9 mm. Gemustertes Gussglas ist 4,5 mm, geriffeltes beziehungsweise Kathedralglas 5 mm und Drahtglas 6 mm dick.
Der dreieckige Glaserstift ist ein wichtiges Hilfsmaterial. Seine Dicke liegt zwischen 0,3 und 1,5 mm, seine Höhe zwischen 6 und 18 mm, jeweils proportional zur Dicke und Größe der Glasscheibe.
Glaserkitt kennt fast jeder. Er besteht aus 12 % Leinöl, 88 % Kreide und 1 % Lanolin.
Zum Glasschneiden werden zwei Arten von Schneidern verwendet: das Diamantmesser, kurz Diamant genannt, dessen wichtigster Teil der Diamant selbst ist, und der Schneider mit Stahlrädchen. Nur natürliche und rohe Schneiden schneiden Glas gut. Abgenutzte Schneiden erzeugen unterbrochene, nicht durchgehende Schnittflächen und Linien (Abb. X-7).
Um den Glaserdiamanten richtig zu halten, legt man Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand auf den abgerundeten Teil des Griffes. Nur so lässt sich der nötige Druck ausüben. Die kleine Markierung am Griff muss stets zur Person zeigen, die den Schneider benutzt (Abb. X-8).
Der Glaserdiamant muss immer sauber sein und darf nur von einem Fachmann zerlegt werden. Nach dem Schneiden wird er in ein Lederetui gelegt. Derselbe Schneider darf nur und immer in derselben Lage benutzt werden.
Der Schneider mit Stahlrädchen dient vor allem zum Schneiden von dickerem Gussglas, da dessen Oberflächenunebenheiten den Diamanten stark beschädigen würden. Das Schneidrädchen hat einen Durchmesser von 5 mm, besteht aus Hartmetall und besitzt in der Mitte eine Öffnung von 2 mm. Die Schneide ist passend verjüngt beziehungsweise geschliffen. Wird das Werkzeug senkrecht zur Glasebene geführt, dreht sich das Rädchen so, dass es kleinere Unebenheiten praktisch überspringt, nicht hängen bleibt und eine durchgehende Schnittlinie hinterlässt. Es muss stärker als ein Diamant angedrückt werden und erzeugt eine breitere Schnittlinie.
In der Mitte des Rädchenhalters befindet sich ein Loch, durch das er mit einer Schraube am Griff befestigt wird. Eine Nummerierung erleichtert den Austausch gegen eines der 6 Ersatzrädchen. Unter die Spannschraube gehört eine Filzunterlage. Mit Petroleum getränkt schützt sie die Rädchen während des Schneidens durch ständige Schmierung vor Überhitzung.
Glasermesser
Das Messer zum Reinigen der Nuten ist das am häufigsten eingesetzte Glaserwerkzeug. Seine Klinge ist ungefähr doppelt so breit wie der zylindrische, gut greifbare Griff. Die Klinge ist abgerundet oder gerade abgeschnitten, ihre Spitze ist zum Entfernen von Kitt aus den Nuten geschärft. Harter Kitt wird entfernt, indem man mit einem Hammer auf das Griffende schlägt (Abb. X-9).
Das Brechwerkzeug besteht aus gedämpftem Buchenholz mit ebenen Flächen ohne Äste oder Risse und ist zum Schneiden von Drahtglas notwendig (Abb. X-10).
Außerdem werden Hammer, Zange, Handschuhe und Messer benötigt (Abb. X-11).

Schneiden
Die Glasscheibe wird auf einen ebenen, mit weichem Material bedeckten Tisch gelegt. Man fasst sie an der nahen Kante, zieht sie zu sich und setzt sie, an den Mitten der Kanten gehalten, auf den Tisch oder hebt sie ab. Während der Bearbeitung muss die Scheibe vollflächig aufliegen; gelagert wird sie senkrecht auf einer Kante.
Vor dem Schneiden ist genau zu messen. Der Abstand zwischen Diamantspitze und Lineal beträgt etwa 4 mm. Zweimaliges Messen ist besser als ein falsch bemessenes Stück. Auch die Rechtwinkligkeit der Seiten ist zu prüfen. Die Schnittstelle wird abgewischt und besonders bei dickerem Glas mit Petroleum bestrichen, damit Schmutz gelöst wird und der Schnitt glatt und gleichmäßig verläuft. Den Schneider nur leicht andrücken und ohne Unterbrechung gleichmäßig bewegen. Der Winkel zwischen Diamantschneide und Glas muss während des gesamten Schnitts 5–6° betragen. Dieselbe Linie darf nicht erneut geschnitten werden, weil der Diamant dadurch beschädigt wird. Der kleine Finger liegt auf dem Glas und sichert Winkel und gleichmäßige Bewegung. Ein guter Diamant erzeugt einen leisen Ton, er „singt“. Kratzt er nur, ist der Ton unangenehm.
Brechen
Nach dem Schneiden bleibt die Scheibe zunächst ganz und muss gebrochen werden. Dies geschieht sofort; kühlt die Schnittlinie ab, wird das Glas zackig und lässt sich schwer brechen.
Bei einem Längsschnitt zieht man die Schnittlinie bis an die Tischkante und bricht die Scheibe mit leichtem, aber schnellem Druck nach unten. Alternativ legt man ein Lineal oder eine andere Unterlage unter die Schnittlinie und bricht mit plötzlichem Druck. Schmale Streifen von 2–3 cm werden mit dem Brecher am Schneider gebrochen; damit entfernt man auch Reste und Unebenheiten. Bei 4–5 cm breiten Streifen kann der Schneidergriff unter das abfallende Stück gedrückt und der Streifen mit leichtem Druck gebrochen werden. Dickeres und gegossenes Glas lässt sich unterstützen, indem man mit dem Griff von unten entlang der Schnittlinie klopft und über ein untergelegtes Lineal bricht. Scharfe Kanten werden anschließend auf beiden Seiten mit einem nassen Karborund-Schleifstein entfernt.
Profilschnitte
Neben geraden Schnitten werden im Haushalt oft Profile benötigt, etwa runde oder andere gebogene Formen für Bilderrahmen, Fenster oder Versuche. Mit einem einfachen Kreisschneidewerkzeug und einer Schablone lassen sich regelmäßige Kreise beliebiger Größe schneiden.
Kreisschneiden
Die Glasplatte zunächst mit einem weichen Tuch entstauben und entlang der Schnittlinie mit Petroleum oder Terpentin bestreichen. Dann den Fuß des Kreisschneiders, einen Gummisauger, in die Mitte des gewünschten Kreises setzen (Abb. 1).

ABBILDUNG 1
Den Arm mit dem Diamanten auf das benötigte Maß einstellen und mit der Schraube fixieren. Mit einer Hand das Werkzeug leicht andrücken, mit der anderen das Ende des Diamantarms halten und unter leichtem Druck im Kreis führen.
Nach dem Schnitt die Platte auf den Tisch legen und mit einer Hand den Abfallteil, mit der anderen den Kreis drücken. Trennt sich der Kreis nicht, wird zwischen Scheibenrand und Kreislinie ein Hilfsschnitt gesetzt. Danach die Platte mit beiden Händen leicht spannen, bis das runde Profil „herausfällt“.
Ein Kreisschneider lässt sich auch selbst herstellen. Zwei quadratische Hartholzstücke von 1,5 × 1,5 × 6 cm zuschneiden und benachbarte Seiten konisch formen. Am flachen Ende eines Stücks einen Gummisauger mit Holzschraube befestigen; am konischen Ende eine weitere Holzschraube einsetzen und deren Kopf später abschneiden. Das zweite Stück nahe dem flachen Ende quer durchbohren und senkrecht dazu ein Gewindeloch herstellen. In das zweite konische Ende kommt ein Loch für die kopflose Schraube. Kontaktflächen glattschleifen und schmieren, damit sich das Werkzeug leicht dreht.
Den Diamantarm in die waagerechte Öffnung des oberen Holzstücks einsetzen und nach dem Einstellen durch das Gewindeloch mit einer Flügelschraube sichern.
Für Kurvenschnitte wird ein Schablonendiamant verwendet, dessen Klopf- oder Brechkopf etwas schmaler ist und den Kurven besser folgt. Es gibt zwei Verfahren.
Beim Schablonenschnitt dient ein Originalmuster oder eine Schablone aus Karton oder Holzplatte. Sie wird auf das Glas gelegt und der Diamant an ihrer Kante entlanggeführt.
Alternativ zeichnet man die Form auf Papier, legt es unter das Glas und schneidet entlang der Zeichnung. Das Entfernen des Abfalls ist bei Kurven schwieriger. Von unten entlang der Schnittlinie unter dem zu erhaltenden Teil klopfen, bis das Glas springt, und dann mit leichtem Druck brechen.
Kurven mit großem Radius werden abschnittsweise geschnitten. Zunächst größere Abfallstücke entfernen, danach den Rest in kleinen Stücken mit dem Brecher bearbeiten. Bei Bedarf helfen zusätzliche Schnitte. Abschließend die Glaskanten schleifen.
Fenster verglasen
Das Zuschneiden ist ein Zwischenschritt der Verglasung. Bei einem zerbrochenen Fenster zuerst Glasreste entfernen. Alten, trockenen Kitt mit Kittmesser oder altem abgebrochenem Messer aus den Nuten lösen. Auch die dreieckigen Glaserstifte entfernen, ohne das Holz des Rahmens zu beschädigen. Glassplitter sofort einsammeln und beseitigen. Danach das Messer mehrmals durch die Nuten ziehen, um Unebenheiten des Rahmens zu korrigieren.
Länge und Breite des Rahmens an 2–3 Stellen messen, da der Rahmen oben häufig breiter als unten ist. Das Glas muss 2–3 mm kleiner sein. Zum Zuschneiden Zeitungspapier oder weichen Stoff auf den Tisch legen, die Scheibe darauf platzieren, markieren und mit Lineal und Diamant schneiden. Die geschnittene Scheibe bis zur Tischkante ziehen, von unten mit dem Schneider anklopfen und brechen.

ABBILDUNG 2
Zuerst dünne Kittstränge im Rahmen unter dem Glas anbringen. Die zugeschnittene Scheibe einsetzen und mit dreieckigen Glaserstiften befestigen. Die Stifte aus Abbildung 2 werden mit einem scharfkantigen Hammer eingeschlagen. Zum Schluss neuen Kitt an die Glaskanten drücken und mit dem Kittmesser glätten. Verdrahtetes Kathedralglas darf nur mit Rädchenschneider geschnitten werden. Nach dem Anritzen an die Tischkante ziehen, mit stärkerem Druck brechen und die Drähte mit Schere oder Meißel trennen. Jede Glasart lässt sich leichter schneiden, wenn sie wie beschrieben mit Petroleum oder Terpentin bestrichen wird.
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